Mittwoch, 15. Juni 2022

Ephraim Kishon über das Schreiben

(c) pixabay.com
Ich mag Kishon. Sehr sogar. Eigenwillig, ungewöhnlich, mit ungeahnten Wendungen. 

In seiner Kurzgeschichte "Interview mit mir selbst" hat er sich zum Schreiben geäußert. Ich finde die folgende Passage sehr nett. Mal schauen, ob die Autor:innen mir da zustimmen können ... ;)



Zitat aus "Interview mit mir selbst" von Ephraim Kishon

»Wie schreiben Sie?«

»Von rechts nach links. Hebräisch.«

»Wirklich? Und was für Eigenheiten haben Sie beim Schreiben?«

»Keine. Es tut mir leid, Ihnen diesbezüglich nichts anbieten zu können, was das Publikum gerne hören würde. Weder schreibe ich in einer mit lauem Wasser gefüllten Badewanne zum Klang eines Streichquartetts, noch inspiriert mich der Vollmond hinter Wolken. Ich stehe an jedem Morgen um 6.30 Uhr auf, setze mich an den Schreibtisch und schreibe mit einem gut gespitzten Bleistift bis 10 Uhr von rechts nach links. Ich arbeite wie jeder andere Mensch.«

»Klingt nicht sehr eindrucksvoll. Wo bleibt die Kunst, wo bleibt die Freude am Kreativen?«

»Wer hat gesagt, dass mich das Schreiben freut?«


»Was freut Sie denn sonst?«

»Mich freut das fertige Produkt, der Augenblick, in dem ich den Schlusspunkt setze. Ich liebe das Baby, nicht die Geburtswehen. Und der Anblick der Regale mit meinen eigenen Büchern macht mich geradezu trunken vor Glück. Aber das Schreiben selbst ist eine freudlose, ermüdende Tätigkeit.«


»Das glaube ich Ihnen nicht.«

»Vergessen Sie's. Ich habe nur gescherzt.«


Quelle: http://www.ephraimkishon.de/Satire_kishon_selbst.htm#Interview

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